• 72‘000 leere Wohnungen – Platz für St. Gallen und Lugano

72‘000 leere Wohnungen – Platz für St. Gallen und Lugano

12.09.2018

In der Schweiz stehen über 72‘000 Wohnungen leer. Darin kämen die Einwohner von St. Gallen und Lugano zusammen unter. Wer immer noch von Wohnungsnot spricht, verkennt die Realität.

Das Bundesamt für Statistik hat die Wohnungen gezählt, die am 1. Juni 2018 leer standen. Der Leerstand betrug am Stichtag 1.62% des Gesamtwohnungsbestands oder 72‘294 Wohnungen. Wenn in jeder Wohnung zwei Personen wohnen, so finden darin die Einwohner der Städte St. Gallen und Lugano gemeinsam Platz.

Rechnet man, dass jede Wohnung für 1‘000 Franken vermietet werden könnte, so erleiden die Vermieter in einem Jahr Mietzinsausfälle von 864 Millionen Franken. Und es sieht nicht so aus, als ob in den nächsten Jahren weniger Wohnungen gebaut würden. Für das nächste Jahr wird weiterhin mit einer Wohnungsproduktion von ca. 50‘000 gerechnet. Der Überschuss wird also noch grösser werden.

Dabei sind es längst nicht mehr nur die peripheren Gebiete, in denen Wohnungen leer stehen. Der Kanton Aargau hat beispielsweise eine Leerwohnungsziffer von 2.65%, was 8‘734 leeren Wohnungen entspricht. In Aarau selber, 25 Minuten Zugfahrt von Zürich entfernt, werden auf Homegate Wohnungen ohne Mietkaution angepriesen, da sie anscheinend sonst nicht vermietet werden können. Auch mit Gratis-Monaten wird geworben. Dies wirkt sich auch auf die Mieten aus: insgesamt sind die Angebotsmieten gemäss dem Index von Wüest Partner seit 2015 rückläufig.

Die Leerwohnungsziffer allein sagt aber nichts darüber aus, wie viele Personen pro Jahr eine neue Wohnung finden. Innerhalb der Stadt Zürich wurden 2017 über 47‘000 Umzüge registriert. Das bedeutet, dass all diese Personen innerhalb der Stadt eine neue Wohnung gefunden haben. Schweizweit wurden 2017 jedes Quartal über 140‘000 Wohnungen zur Vermietung angeboten. Wer angesichts dieser Zahlen immer noch von Wohnungsnot spricht, ist schlicht realitätsfremd. Forderungen nach staatlicher Wohnbauförderung sind angesichts des grossen Angebots an Wohnungen gefährlich und könnten zu einer noch stärkeren Überproduktion beitragen.